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Japan will die Krise bekämpfen mit einem Milliarden-Paket

Japan befindet sich mitten in einer Spirale der Deflation. Nun will der Ministerpräsident des Landes, Abe, die Wirtschaft ankurbeln mit einem Paket im Wert von achtzig Milliarden Euro. Dennoch ist es gut möglich, dass genau dieses Paket das Land noch weiter hinabstürzen könnte in die Krise.

Shinzo Abe, Ministerpräsident von Japan, scheint im Moment nur einen Ausdruck zu kennen, und das ist wohl die Befreiung seines Landes von der Deflation. Um dies zu erreichen, will er nun einiges an Geld stecken in die Infrastruktur von Japan. So soll dann die schlechte Konjunktur angekurbelt werden, um den Preisrückgang zu stoppen, der für die Wirtschaft sehr gefährlich ist.

Geplant sind etwa achtzig Milliarden Euro, und das in lediglich 15 Monaten. Dies ist eine ähnlich Summe wie die, die die Bundesregierung in die Hand nahm für das Konjunkturpaket II, das für den Kampf gegen die Folgen von der großen Finanzkrise geschnürt worden war. Allerdings gibt es einen großen Unterschied, denn der Schuldenberg, der auf Japan lastet, ist weitaus höher als der von Deutschland. Misst man ihn an der Wirtschaftsleistung, dann ergibt sich, dass der Schuldenberg Japans rund drei Mal so hoch ist. Somit ist Japan die Industrienation auf dieser Welt, die am höchsten verschuldet ist. Seitens der Experten wird bereits gewarnt vor einer Verschuldung, die ausufern könnte.

Das Land Japan befindet sich mittlerweile seit der Jahrtausendwende schon in der vierten Rezession. Die Regierung plant, mit diesen Investitionen in Milliardenhöhe, das Land hinauszuziehen aus dem Sumpf der Krise. Langfristiges Ziel ist, die Kommunen und Unternehmen anzuregen, zu investieren, dadurch sollen Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings mahnen die Experten hier zur Vorsicht. So wie Michael Bräuninger, der Forschungsdirektor vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, kurz HWWI. Er sagte, dass er hochproblematisch sei, so viel Geld zu investieren, da Japan ein Land sei, das hoch verschuldet ist.

Zudem sei es auch so, dass derartige Konjunkturhilfen sehr wenig zielführend seien im Kampf gegen diese gefährliche Spirale bestehend aus der Wirtschaftsflaute und Preisen, die anhaltend sinken. Seiner Meinung nach wirken die Investitionen nur beschränkt in die Infrastruktur, und langfristig werde dieses Geld gar nicht fruchten. Ganz im Gegenteil sogar, die Experten warnen davor, dass die Schuldenlast anschwellen könnte.

Der neue Regierungschef, der erst seit Mitte des Dezembers amtiert, ist da allerdings einer ganz anderen Meinung. Für ihn steht eine sehr laue Geldpolitik auf dem Plan. Sieht man es politisch, dann hat er auch eine sehr gute Ausgangslage dafür. Beispielsweise hält sein Regierungsbündnis im Unterhaus eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dies würde sogar ausreichen, um die Verfassung des Landes zu ändern.

Recht brisant ist auch die anstehende Neubesetzung vom Posten des Chefs der Notenbank Japans. So wie man von eingeweihter Seite erfahren konnte, soll von bereits in der nächsten Woche dieses Amt übernommen werden von Haruhiko Kuroda. Er gilt als ein Verfechter von dieser mehr als lockeren Geldpolitik. Sollte es wirklich dazu kommen ist es sehr wahrscheinlich, dass die Notenpresse vielleicht noch ein klein wenig schneller rotieren wird.

Natürlich stellt sich die Frage, warum Ministerpräsident Abe ausgerechnet nun die Infrastruktur ausgewählt hat als Stimulus für die Konjunktur. Seinen Worten nach müsse diese gerade nach der Erdbeben-Katastrophe aus dem Jahr 2011 zunächst wieder gestellt werden auf eine viel robustere Grundlage.

Allerdings gilt das Verkehrsnetz in Japan als allgemein sehr gut ausgebaut. In der Rangliste der flächenmäßig größten Länder befindet sich Japan lediglich auf Platz 61. Dennoch hat es 1,2 Millionen an Straßenkilometern aufzuweisen, dies bedeutet wiederum Platz fünf auf der Rangliste der ganzen Welt. Als Vergleich dazu hat Deutschland gerade einmal halb so viele Straßenkilometer vorzuweisen. Dazu kommen dann noch rund 68.000 Brücken, 250 Hochgeschwindigkeitszüge, rund 10.000 Tunnel und sogar 98 Flughäfen.

Experten fragen sich allerdings auch wegen der Bevölkerungszahl, die momentan sinkt, warum ausgerechnet die Verkehrswege nun ausgebaut werden müssten. Takayoshi Igarashi, Politik-Professor an der Hosei-Universität, sagte, dass man nicht immer so weiter machen könne mit Straßen bauen und weiterer Infrastruktur, während die Bevölkerung des Landes immer weniger werde und auch älter. Der Professor hatte die Regierung beraten bezüglich des Wiederaufbaus nach dem Tsunami.

Die Gesellschaft in Japan befindet sich momentan in einem Alterungsprozess, der schon chronisch zu nennen ist. Die Geburtenrate im Land ist recht niedrig, jedes Jahr schrumpft die Bevölkerung um rund eine ¼ Million. Demnach wird auch die Zahl der Japaner, die arbeiten, immer geringer. Am Ende bedeutet das, dass sich weniger Autos bewegen werden auf den Straßen, und immer weniger Menschen werden die Infrastruktur nutzen.

Bräuninger sagte weiter, dass er auf kurze Zeit gesehen nicht absehen könne, dass sich an der Demografie Japans etwas ändern werde. Seitens der Kritiker befürchtet man, dass das komplette Geld versiegen könnte und einfach nur sinnlos investiert werde. Hierfür führten sie ein Beispiel an. Im Jahr 2010 wurde rund achtzig Kilometer von Tokio entfernt ein Flughafen eröffnet, die Kosten dafür lagen bei rund 225 Millionen Dollar. Jeden Tag gibt es dort ganze sechs Flüge. Kein Wunder, dass die Experten alarmiert sind.

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