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Italien sorgt für kleines Erdbeben an den Märkten

So wie es momentan aussieht haben sich die Italiener eindeutig für ein Chaos entschieden. Die Investoren reagieren heute recht geschockt. Auf der ganzen Welt geben daher die Aktienmärkte nach. Währenddessen ziehen auch die Renditen an für die Staatsanleihen von Italien. Es gibt bei dem Ganzen lediglich zwei Gewinner, und das sind der Dollar und die deutschen Bundesanleihen.

Es ist wohl das allerschlimmste Szenario eingetreten, das sich die Investoren ausgemalt hatten, es gab bei den Wahlen in Italien keinen eindeutigen Sieger, und somit ist eine komplette Blockade schon fast vorprogrammiert. Und wieder ist es Berlusconi, der obenauf schwimmt. Dies war schon so etwas wie ein kleines Erdbeben, und die Wellen davon sind den an den Finanzmärkten auf der ganzen Welt spürbar.

Jordan Hiscott, Händler bei Gekko Markets, sagte, dass Berlusconi wohl das Jahrhundert-Comeback in der Politik geschafft habe, zumindest sei er in der Lage, eine Hängepartie zu erzwingen. Für die Märkte sei beides Gift. Im Bereich der Euro-Rettung gilt Italien als ein sehr wichtiger Dominostein.

Gegenüber dem Dollar verlor der Euro allein gestern rund drei Cent, momentan steht der Euro bei 1,3082 Dollar. Die Renditen von den Staatsanleihen Italiens mit einer zehnjährigen Laufzeit zogen recht deutlich an, zuletzt lagen sie bei 4,8 Prozent, am Schluss des gestrigen Tages waren es noch 4,48 Prozent. Gleichzeitig verkauften auch andere verschuldete Länder Anleihen. Die zehnjährigen Staatsanleihen Portugals wurden mit einer Rendite von 6,52 Prozent verkauft, vorher waren es noch 6,20 Prozent gewesen.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, schrieb, dass man empfehle, die Staatsanleihen von den Peripherieländern bis auf weiteres eher unterzugewichten, und zwar wegen der recht hohen Unsicherheit. Auch in den kommenden Wochen dürften die Märkte wohl nervös bleiben, dennoch rechne man nicht mit einer Eskalation bei der Staatsschuldenkrise, wie dies im Jahr 2011 der Fall gewesen ist.

Sehr gefragt waren heute allerdings wieder einmal die Bundesanleihen. Deren Rendite fiel auf 1,48 Prozent. Eine rege Nachfrage gab es auch beim Bund-Future, dieser stieg um 1,43 Punkte an und steht nun bei 144,95 Punkten. Dies ist der höchste Stand, den er seit dem Dezember erreichen konnte.

Recht deutliche Spuren hinterließ die Italien-Wahl aber auch an den Aktienmärkten. So gab der Dax in Frankfurt gleich um zwei Prozent nach, er erreicht somit noch 7.621 Punkte. In Paris gab der CAC 40 ebenfalls zwei Prozent ab. 1,4 Prozent weniger verzeichnete der FTSE 100, und der FTSE MIB in Italien fiel gleich nach Start der Handels ganz deutlich unter die Marke von 16.000 Punkten. Zuletzt verlor er 4,1 Prozent.

Einen Verlust von 2,6 Prozent musste der EuroStoxx50, der europäische Leitindex, hinnehmen, er sackte ab auf 2.582 Punkte. Am stärksten mussten aber die Finanzwerte leiden, beispielsweise die Aktien von Intesa Sanpaolo, diese sackten um rund sieben Prozent hinunter, bei den Aktien der Unicredit waren es etwa sechs Prozent, und der Versicherer Generali gab beinahe fünf Prozent ab. Auch der Dow-Jones-Index schloss niedriger, er verlor 1,5 Prozent und erreicht 13.784 Punkte.

In Italien droht nun nach dem Ausgang der Wahlen eine politische Blockade. Nach den amtlichen Angaben vom heutigen Dienstagmorgen liegt das Mitte-Links-Bündnis ganz knapp vorne mit 29,54 Prozent im Abgeordnetenhaus mit seinem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani, direkt danach folgt die Allianz von Silvio Berlusconi, diese erreichte 29,18 Prozent. Allerdings gibt es keine klarte Mehrheit im Senat, und so droht nun eine komplette politische Lähmung in Italien.

Gestern hatte es eine kleine Erleichterung gegeben an den Märkten, der Grund waren die ersten Meldungen von der Wahl die besagten, dass das Mitte-Links-Bündnis vorne läge im Abgeordnetenhaus. Doch kurz danach kamen auch schon die ersten Hochrechnungen die anzeigten, dass Berlusconi vielleicht den Senat gewonnen haben könnte. Somit droht Italien eine politische Blockade, und die Märkte reagierten sofort.

In einem Kommentar konnte man bei der Royal Bank of Scotland lesen, dass die Botschaft dieser Wahl eindeutig sei, der Sparkurs werde abgelehnt. Das Wahlergebnis sei, kurz gesagt, das „schlechtestmögliche“. Weiter heißt es, dass sogar eine Regierung Berlusconi vorzuziehen gewesen sei, denn momentan habe niemand das Mandat, eventuelle Hilfen auf Europa zu beantragen.

Es gibt allerdings auch einige Marktbeobachter, die eher von übertriebenen Reaktionen auf die Italien-Wahl sprachen. Richard Kelly, der Chef für europäische Zinsen, TD Securities, sagte, dass die Art und Weise, wie sowohl die deutschen Staatsanleihen als auch der Euro reagiert hätten auf das Ergebnis der Wahl, eine Überreaktion darstellten. Er ist der Meinung, dass die Parteien in Italien zunächst eine Übergangsregierung bilden würden, dann dann im Amt sein könnte für die nächsten sechs bis hin zu zwölf Monaten. Neuwahlen seien in Italien frühestens möglich und zulässig von Gesetzes wegen nach zwei bis drei Monaten.

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