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Geht es Portugal bald so wie Griechenland?

Der Schuldenschnitt für Griechenland scheint ja nun doch näher zu rücken, und schon gehen die Sorgen um den nächsten potentiellen Pleitekandidat weiter. Es ist durchaus möglich, dass Portugal ebenfalls dieses Schicksal ereilen könnte. Bei den Investoren ist es wohl so, dass sie das Land bereits abgeschrieben haben.

Heute ist es Portugal zwar gelungen, am Geldmarkt etwa 1,5 Milliarden Euro zu sammeln durch die Auktion von drei-  und auch sechsmonatigen Papieren, dennoch ist dies sicherlich nicht mehr, als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Zwar lagen die Zinsen hier sehr gut, etwa 4,07 und 4,46 Prozent wurden gefordert, und das war etwas niedriger als bei der Auktion davor. Dennoch gab es nur eine recht geringe Nachfrage. Dass sich überhaupt Anleger dafür gefunden haben, die zugegriffen haben liegt wohl nur daran, dass die Laufzeiten sehr kurz waren. Am Markt ist man wohl der Meinung, dass Portugal wohl die nächsten drei beziehungsweise sechs Monate wohl noch durchhalten werde. Alles was danach kommt, sei allerdings vollkommen ungewiss.

Dass das Misstrauen der gesamten Investoren aber doch sehr groß ist, das kann man deutlich ablesen an den Kursen der Anleihen, die lang laufend sind. Diese gerieten in den letzten Tagen ganz verstärkt unter Druck. Eine Analystin der Helaba, Viola Stork, sagte, dass diese Kurse, und hier gerade die der länger laufenden Anleihen, einen möglichen Staatsbankrott von Portugal widerspiegeln.

Der Kurs dieser Anleihe, die in rund zehn Jahren fällig wird, ist auf knapp 40 Prozent gefallen vom Nennwert von 100 Prozent. Bei der Anleihe, die in zwei Jahren ausläuft, sackte der Kurs ab auf etwa 80 Prozent.

Allerdings seien die Umsätze wohl äußerst gering. Rüdiger Kerth, ein Fondsmanager von der Union Investment sagte, dass die Banken wohl von Verkäufen berichten, die im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen. Zudem scheint es auch nur einen Käufer zu geben, und das sei die EZB. Aber auch deren Positionen seien auf jeden Fall begrenzt.

Im Grunde genommen könnte es Portugal ja erst einmal vollkommen egal sein, was mit den eigenen Anleihen auf dem Sekundärmarkt geschieht. Portugal versucht auch gar nicht erst, neue Anleihen, die lang laufend sind, auf den Markt zu bringen. Schon seit längerem ist es so, dass das Land vom ganzen Kapitalmarkt abgeschnitten ist, es wird praktisch sozusagen künstlich beatmet. Schon seit dem Mai letzten Jahres erhält Portugal Kredite vom IWF und anderen Euro-Ländern. Dieses Hilfspaket geht noch bis zum Frühjahr des Jahres 2014, und es umfasst ganze 78 Milliarden Euro.

Geht man von der heutigen Sicht aus, dann erscheint es fast schon unmöglich, dass Portugal sich überhaupt, so wie eigentlich geplant, schon zu Ende 2013 wenigstens teilweise wieder selbst refinanzieren kann durch die Ausgabe von Anleihen von über neun Milliarden Euro.

Schafft Portugal dies nicht, dann wird wohl ein neues Hilfspaket benötigt. Dann könnte es hier ähnlich laufen wie bei Griechenland auch.

 

Bildquelle: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de

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