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Nun doch – über die Notenpresse werden Schulden von der EZB finanziert

Im Rahmen der ganzen Schuldenkrise gibt es jeden Tag neue Meldungen. Große Schlagzeilen gibt es häufig, aber auch die kleineren Meldungen sollte man einmal beachten, denn was so unscheinbar aussieht, hat es sehr oft so richtig in sich. Gerade in der momentanen Euroschuldenkrise ist das so. Es gibt wohl nur wenige Sparer, die am Dienstag wahrgenommen haben, welche Nachricht die EZB, die Europäische Zentralbank, herausgegeben hat. Dabei teilten die Währungshüter mit, dass sie den Banken wohl nicht so viel Geld abnehmen könnten, wie es eigentlich geplant war für die Neutralisierung der sogenannten Anleihekäufen, und zwar am Sekundärmarkt. Insgesamt habe die EZB den Banken rund 203,5 Milliarden Euro abnehmen wollen, bekommen habe sie aber nur 194,2 Milliarden.

Es klingt eigentlich wie eine rein technische Abhandlung, aber die Sparer könnte dies wirklich teuer zu stehen kommen. Die Meldung heißt übersetzt gar nichts anderes, als dass die EZB zum ersten Mal mit Hilfe seiner Notenpresse in ganz großem Stil die Staatsschulden finanziert. In der dreizehnjährigen Geschichte dieser Geldhüter war dies immer ein Tabu gewesen. Nun wurden auf diesem Weg neun Milliarden Euro an Schulden finanziert.

Nun fragen sich natürlich viele Experten, ob dies ein Hinweis sein könnte auf einen Kurswechsel. Die Indizien sprechen wohl dafür. Wenn man bedenkt, dass die EZB bei diesem Versuch, eine überschüssige Liquidität herauszubekommen aus dem Markt, den ganzen Banken nur eben mal 0,62 Prozent an Zinsen angeboten hat, sprechen die Zeichen wohl wirklich dafür. Wenn die EZB mehr Geld hätte einsammeln wollen, dann hätte es wohl gereicht, eine bessere Rendite anzubieten. Für viele sieht es nun so aus, als ob der Chef der EZB, Draghi, wirklich drauf und dran ist, alle Vorbehalte der Deutschen über Bord zu werfen, und wirklich die Notenpresse anzuwerfen, um damit die Staatsschulden zu finanzieren.

Seit Mai ist es so, dass die EZB Anleihen der krisengeschüttelten Länder an den Märkten kauft. Vergangene Woche war es so, dass das Portfolio, das die Problemtitel enthält die berühmte Marke von 200 Milliarden Euro überschritten hat. Die EZB hat bisher allerdings immer wieder das Geld abgeschöpft, damit eine Ausweitung der Geldmenge verhindert werden kann, und so wollen sie auch einer Inflation vorbeugen. Die Notenbanken der USA und von Großbritannien handhaben das anders. Das ist auch die Argumentation, die die EZB nutzt, um diese Befürchtungen aus den heimischen Landen aus der Welt zu schaffen.

Angeworfen haben die Notenpresse allerdings eher die Fed und die Bank of England, denn diese kaufen in sehr großem Stil Anleihen, und sammeln aber die dadurch entstandenen Milliarden nicht wieder ein. Auf diese Weise hat allein die FED bereits umgerechnet fast 2 Billionen Euro hineingepumpt in den Markt, und zwar im Rahmen der quantitativen Lockerung. Bei der Bank of England sind es hier immerhin noch 300 Milliarden Euro.

Nun könnte es sein, dass die EZB auch in die Fußstapfen dieser beiden Banken tritt, und einige Experten würden das sicherlich begrüßen, denn durch die zögerliche Krisenbewältigung hat die Politik das Vertrauen an den Märkten absolut verspielt.

 

Bildquelle: SarahC.  / pixelio.de

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