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Krise in Spanien – die Industrie bricht ein

Es sind in Spanien nicht mehr nur die Banken, die unter der Schuldenkrise leiden, auch die spanische Wirtschaft ist betroffen. Hier schrumpft nun die Industrieproduktion recht massiv. Momentan stellen hier die Unternehmen rund 8,3 Prozent weniger her, als dies noch vor einem Jahr der Fall gewesen ist.

Jetzt ist es soweit, dass sich der wirtschaftliche Absturz beschleunigt in Spanien. Im April war die Industrieproduktion von diesem Land so stark eingebrochen, wie es schon seit mehr als rund zweieinhalb Jahre nicht mehr der Fall gewesen war. Das Statistikamt teilte mit, dass es einen Produktionsrückgang von 8,3 Prozent gegeben hat im Vergleich zum Monat zuvor. Seit dem September des Jahres 2009 war dies der stärkste Rückgang überhaupt. Dabei hatten die Analysten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber lediglich in einer Höhe von 6,5 Prozent.

Schon im März war es so gewesen, dass die Unternehmen die Produktion gedrosselt haben, und zwar um 7,5 Prozent. Somit ist es nicht zu übersehen, dass Spanien leidet unter einer sehr heftigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Auch die Arbeitslosigkeit ist in Spanien sehr hoch, sie ist sogar die höchste innerhalb der Europäischen Union. Bereits jetzt ist jeder vierte Spanier ohne Job, bei den Jugendlichen ist es jeder Zweite, der keine Arbeit hat.

Das Land benötigt immer mehr an Kapital, damit es seinen Banken helfen kann. Dazu kommt, dass es für den Staat immer schwieriger wird, überhaupt noch Kredite aufzunehmen am Finanzmarkt, da sie Zinsen immer mehr steigen. Dennoch hat sich die spanische Regierung während der letzten Wochen immer wieder geweigert, externe Hilfen anzunehmen über die Rettungsschirme der EU. Am Dienstag hatte der Finanzminister Montoro allerdings auch bereits eingeräumt, dass Spanien jetzt leide unter Finanzierungsproblemen. Die Märkte seien für sein Land quasi nicht mehr zugängig durch die hohen Zinsen, so sagte er.

In der „Süddeutschen Zeitung“ konnte man lesen, dass wohl auf der europäischen Ebene darüber verhandelt wird, ob es möglich sei, direkt Geld aus dem Schutzschirm der EU an den Frob zu zahlen. Die spanische Regierung solle im Gegenzug dazu zusagen, dass man die Probleme innerhalb des Finanzsektors beseitigen werde. Zur Not müsse es eben auch in Spanien zu Schließungen von Instituten oder auch weiteren Fusionen kommen.

Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, forderte dagegen die Europäer auf, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten für die Bewältigung der Schuldenkrise. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte sie, dass ein Masterplan wichtig sei, zu dem sich auch alle bekennen, denn dieser schaffe eine neue Vision. Gehandelt werden müsse vor allen Dingen in Hinblick auf das krisengebeutelte Spanien sehr kurzfristig. Hier gehe es um Entscheidungen, um die spanischen Bankenprobleme zu lösen.

Moritz Krämer, Chefanalyst von der Rating-Agentur S&P für Europa übte Kritik an der spanischen Regierung und deren Krisenmanagement. Man habe zu lange in Spanien gewartet, bis man letztendlich das Bankenproblem nicht mehr leugnen konnte. Daher seien die Märkte auf jeden Fall aus einem guten Grund recht nervös.

Krämer sagte, dass ein Unterschlüpfen des Landes unter Rettungsschirm wohl „einiges erleichtern“ würde. Im Gegensatz zu Portugal und Irland könne Spanien dann am Markt bleiben, auch mit den längerfristigen Anleihen. Es sei auch vorstellbar, dass man das Geld nur nutze für die Bankenrekapitalisierung, dagegen aber für den Staatsetat weiterhin den Kapitalmarkt anzapfe, so Krämer gegenüber der „Börsen-Zeitung“.

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