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Höhere Zinsen für Italien nach der Wahl

Nach der Wahl sind die Machtverhältnisse innerhalb von Italien mehr als unklar. Und dies wird auch gleich bestraft, und zwar in Form von ansteigenden Zinskosten. Die Geldgeber sind natürlich verschreckt, und somit verlangen sie auch einen Risikoaufschlag für weitere Kredite. Dies sorgt nicht nur dafür, dass Italien in eine Klemme gerät, sondern auch gleich die gesamte Euro-Zone.

Die Machtverhältnisse sind unklar, und die Zinskosten steigen, das ist der Preis, den Italien zahlen muss für den Wahlausgang. Die Rendite stieg bei der ersten Versteigerung nach der Wahl an für die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf 4,83 Prozent. So hoch ist der Wert schon seit dem Oktober des letzten Jahres nicht mehr gewesen. Dies teilte heute die Finanzagentur Italiens mit. Vier Wochen zuvor lag die Rendite noch bei 4,17 Prozent. Dieser Anstieg ist schon recht deutlich, dennoch bliebt der Zins aber gerade noch unter der Marke von 5 Prozent, die als psychologisch wichtig gilt.

Der Zins für die Anleihen mit einer fünfjährigen Laufzeit stieg an bei einer Auktion auf 3,59 Prozent, vorher waren es 2,94 Prozent gewesen im Januar. Allerdings war es Italien möglich, bei beiden Versteigerungen den Höchstbetrag, der vorher anvisiert worden war in Höhe von 6,5 Milliarden Euro, einzunehmen. Dazu waren beide Auktionen auch noch überzeichnet, je etwa 1,6-fach.

Nick Stamenkovic, Analyst bei RIA Capital Markets, sagte, dass die Nachfrage recht ordentlich gewesen sei. Allerdings würden die Investoren auch eine Risikoprämie verlangen, die deutlich höher sei.

Auch die Ratingagenturen reagieren auf das Wahlergebnis in Italien. Moody´s hat bereits bekanntgegeben, dass erwogen wird, die Kreditwürdigkeit von Italien noch weiter herabzustufen. Dies teilte Moody´s bereits am gestrigen Dienstagnachmittag mit. Als Begründung gab die Agentur an, dass der Wahl-Patt im Land die politische Ungewissheit erhöhe. Daher sei es möglich, dass der Reformkurs, der von Mario Monti, dem bisherigen Premierminister, angestoßen worden war, verzögert werden könne. Es sei sogar möglich, dass er komplett in den Stillstand kommen könnte. Dies wiederum erhöhe das Risiko, dass die Bonität herabgestuft werden könnte.

Mit diesem Statement zeigt sich Moody´s um einiges kritischer, als das bei Standard & Poor´s der Fall ist. Gestern Abend hatte man zwar auch dort gewarnt vor Strukturreformen, die verschleppt werden, was wiederum die Wachstumsaussichten des Landes verschlechtern würde, dennoch habe der Wahlausgang keine direkte Auswirkung auf die Kreditwürdigkeit des Landes.

Angesichts der Euro-Krise, die immer wieder aufflackert, warnte auch die EZB nach der Wahl in Italien die europäischen Staaten davor, vom Reformkurs abzuweichen. Peter Praet, der Chefvolkswirt der EZB, sagte heute in Frankfurt, dass man die Regierungen innerhalb der Euro-Zone dazu aufrufe, die Bemühungen weiterhin aufrechtzuerhalten um die notwendigen Reformen. Gleichzeitig erkenne die EZB aber auch an, was bisher schon alles geleistet worden sei auf dem Reformweg. Peter Praet sprach in diesem Zusammenhang von einer „aufkeimenden Erholung“, die sich abzeichne in den Schuldenstaaten von der Zone des Euro.

In den Krisenzeiten seien die Strukturreformen beschleunigt worden. Unter anderem zählten die Rentenreformen dazu, aber auch der Kampf gegen eine Steuerflucht und die Arbeitsmarktreformen, die politisch immer schwer umzusetzen seien, werden genannt. Daher ist man der Ansicht, dass man optimistisch sein kann, allerdings recht vorsichtig, dass die verschuldeten Länder doch wieder zurückkehren könnten auf den Weg eines nachhaltigen Wachstums. Allerdings müssten sich diese Reformländer darauf einstellen, dass sie eine lange Wegstrecke vor sich haben angesichts der Tragweite, die diese Anpassungen haben. Man sei aber zuversichtlich, dass man sich auf dem richtigen Weg dorthin befinde, so Praet.

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