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Nachspiel für den Fehlstart von Facebook an der Börse

Der sehnsüchtig erwartete Börsengang von Facebook wurde begleitet von Pannen, und viele Anleger fragen sich, ob denn bei diesem Börsengang auch wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Einige Anleger sind auf jeden Fall definitiv davon überzeugt, dass sie sowohl vom Unternehmen selbst als auch von den Banken, die beteiligt waren, abgezockt wurden. Und das ist ja noch nicht alles, denn die Kursverluste, die sich immer weiter fortsetzen, nehmen mittlerweile schon recht dramatische Ausmaße an.

Jetzt wird dieser Börsengang, der wirklich verpatzt war, auch noch zu einem Fall für die Gerichte und auch die Aufsichtsbehörden. Die SEC, die US-Börsenaufsicht, plant, die Umstände der Aktienplatzierung näher zu untersuchen. Die Klage eines Anlegers ist bereits eingereicht worden. Und der Kurs der Aktie fällt weiter, auch am dritten Handelstag muss sie wieder einen Verlust hinnehmen, sie sackte wieder um neun Prozent ab und liegt bei etwa 31 Dollar. Die Alteigentümer und Facebook nahmen rund 16 Milliarden Dollar ein, und ein Investor, der diese Aktien zum Ausgabepreis gekauft hatte, der bei 38 Dollar lag, verlor bis zum gestrigen Abend rund 18 Prozent von seinem Geld.

Am Dienstag ging es nachbörslich für die Aktie von Facebook noch weiter herunter, sie landete bei 30,50 Dollar. Dies war schon eine Andeutung auf weitere Kursverluste für diesen Mittwoch. So wird aus diesem lang erwarteten Börsengang einer der übelsten, die es in den letzten Jahren gegeben hatte.

Dazu kommt jetzt auch noch, dass Gerüchte die Runde machen, dass es angeblich Mauscheleien gegeben habe bei Facebook und den Banken, die am Börsengang beteiligt waren, dies rückt das Ganze natürlich in noch ein schlechteres Licht. Nun muss sich Mark Zuckerberg wohl oder übel auch auf einen juristischen Schlagabtausch einstellen.

Vor einem kalifornischen Gericht war bereits am Dienstag eine Klage eingereicht worden von der Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg, die ihren Sitz in Los Angeles hat. Vorgeworfen wird Facebook und den Banken seitens der Anwälte im Namen ihres Mandanten, dass sie die gesamten Börsenunterlagen sehr schlampig zusammengestellt hätten und zudem auch wichtige Informationen zum Geschäft und den Aussichten einfach verschwiegen hätten. Im Namen von allen Geschädigten verlangt diese Kanzlei nun eine Wiedergutmachung.

Vorgeworfen wird der Gegenseite von den Anwälten vor allen Dingen, dass sie verheimlicht habe, dass die Banken, die beteiligt gewesen sind, ihre Gewinnprognosen noch kurz vor dem Börsengang gesenkt hätten. Namentlich aufgeführt werden hier Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan Chase. Dies sind die drei wichtigsten Organisatoren von diesem Facebook-Börsengang, sie werden auch als „Lead Underwriter“ bezeichnet.

Die Anwälte stützen sich bei den Vorwürfen auf US-Medienberichte, die unter anderem vom „Wall Street Journal“ stammen. Diesen Berichten nach haben nur ein paar ausgewählte Kunden von den Banken erfahren, dass die Erwartungen an das zukünftige Geschäft von Facebook gesenkt worden sind. Dementsprechend waren diese Kunden dann auch sehr vorsichtig, als es um den Kauf dieser Facebook-Aktien ging. Unterdessen hatte bereits am Dienstag die Hauptbank, Morgan Stanley, erklärt, dass man alle Regularien eingehalten habe.

Am Dienstag ging ein Blog, der „Business Insider“, noch einen Schritt weiter, hier konnte man nachlesen, dass ein Manager von Facebook den Analysten geraten habe, die Vorhersagen zu korrigieren nach unten. Man berief sich bei diesem Beitrag auf eine Quelle, die ungenannt blieb.

Wenn man dies so hört, dann ist der Vorwurf, dass sich die Banken bezüglich der Nachfrage verschätzt hätten und dadurch viel zu viele Aktien auf den Markt gebracht hatten, noch eher harmlos einzustufen. Kurz vor dem Börsengang war sowohl der Ausgabepreis als auch die Anzahl der Aktien aufgestockt worden. Im Nachhinein stellt sich dies nun als ein fataler Fehler heraus.

Die Nasdaq hat mittlerweile gestanden, dass sie diesen Börsengang lieber abgeblasen hätte, wenn ihr bereits vorher bewusst gewesen wäre, welches Ausmaß diese technischen Probleme hätten haben können. Die Fehlfunktionen, die auftraten, sorgten dafür, dass die Anleger zum Teil über Stunden am Freitag gar nicht wussten, ob ihre gemachten Aufträge überhaupt erfüllt worden sind.

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