Verluste im Dax durch das Misstrauen der Anleger

Der Zinsentscheid der EZB war weniger überraschend gewesen, und daher konzentrieren sich die Anleger heute auf die Arbeitsmarktdaten, die aus den USA kommen. Für eine Verkaufsstimmung sorgt die doch nun schwindende Hoffnung darauf, dass es Finanzhilfen geben könnte seitens der Fed.

Aber nicht nur in Deutschland halten sich die Investoren zurück, auch im Rest von Europa sieht es zur Zeit nicht anders aus. Die Anleger bleiben auch weiterhin zurückhaltend vor der Veröffentlichung von den Arbeitsmarktdaten. Im Mittagshandel notiert der Dax um 0,4 Prozent tiefer, er liegt bei 6.509 Punkten. 1,4 Prozent hatte der Dax auf Wochensicht zugelegt. Dagegen verliert der EuroStoxx50 0,4 Prozent, und landet bei 2.275 Punkten.

Ein Händler sagte, dass die Skepsis wieder zunehme, nachdem die EZB am gestrigen Donnerstag ein Bild bezüglich der Wirtschaftsentwicklung gemalt habe, das eher düster sei. Zudem hatten sich auch etliche Börsianer recht enttäuscht gezeigt, weil die EZB außer dieser bereits erwarteten Zinssenkung keine weiteren Maßnahmen in Aussicht gestellt hatte, um die lahmende Konjunktur wieder anzukurbeln.

Dieser Zinsschritt war an den Märkten bereits eingepreist gewesen, aber zusätzlich habe man noch weitere außergewöhnliche Maßnahmen erwartet, wie beispielsweise den Kauf von Staatsanleihen. Allerdings hielt sich Mario Draghi, EZB-Präsident, dazu eher bedeckt. Ebenfalls ließ er offen, ob die EZB das Bankensystem noch einmal mit einer weiteren sogenannten „Dicken Bertha“ fluten wird, also mit großen Summen an billigem Geld.

Auch Sicht der Ökonomen sorgt auch eine andere Tatsache für eine Verunsicherung, und zwar die, dass die EZB nun fast gänzlich ihren Spielraum in der Geldpolitik ausgereizt hat. Mit 0,75 Prozent liegt der Leitzins momentan niedriger als zu der Zeit der großen Lehmann-Pleite mit der tiefen Rezession. Auch dies könnten die Märkte deuten als Hinweise darauf, dass die wirtschaftliche Lage wirklich dramatisch ist. Die EZB hatte auch den Zins gesenkt für die Übernachteinlagen, und zwar auf null Prozent, so dass es sich für die Banken nicht mehr lohnt, dort noch Geld zu parken. Die Bank Unicredit urteilte, dass dieser Zinsschritt wohl der Wirtschaft in der Euro-Zone nicht sehr viel an Erleichterung bringen wird, nachdem die Zinsen sowieso bereits niedrig sind.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, sagte, dass die EZB nach den Zinssenkungen von gestern das Ende von der Fahnenstange wohl erreicht habe in der konventionellen Geldpolitik. Allerdings sei es ja auch so, dass die Wirtschaft im Euroraum nicht durch zu hohe Zinsen seitens der EZB in die herrschende Rezession gefallen sei, sondern dadurch, dass die Unsicherheit, die von der Staatsschuldenkrise ausgeht, auch auf die Konsumenten und die Unternehmen übergesprungen ist. Und daran könnten auch die niedrigeren Leitzinsen gar nichts ändern.

Momentan liegt der Fokus der Anleger auf den USA. Hier hoffen die Anleger darauf, dass die Fed, die US-Notenbank, zum dritten Mal seine Geldschleusen öffnen könnte. Daher wird der Arbeitsmarktbericht, der für den Nachmittag angekündigt ist, sicherlich mit einer besonderen Aufmerksamkeit verfolgt werden. Seitens der Analysten wird mit etwa 90.000 neuen Stellen gerechnet im Juni.

Schon am Donnerstag hatte es positive Jobdaten gegeben von einer privaten Arbeitsagentur. In den USA schufen die privaten Unternehmen weitaus mehr Jobs im Juni, als dies vorher erwartet worden war. Nach Angaben der ADP, einer privaten Arbeitsagentur, stieg diese Anzahl um 176.000 an. Analysten, die von Reuters befragt worden sind, hatten lediglich gerechnet mit einem Plus von etwa 105.000 Stellen. Schon im Mai waren 136.000 neue Stellen geschaffen worden, und das waren auch etliche mehr als die 133.000, die gemeldet worden waren.

Am Rentenmarkt rechnen die Anleger wohl nicht damit, dass es zu einer baldigen Eindämmung kommen wird der Euro-Krise. Am Freitag gaben die Kurse von den zehnjährigen Anleihen von Spanien und Italien nach, und die Renditen zogen daraufhin auch recht deutlich an. In der Spitze wurden die Papiere Spaniens verzinst mit 6,914 Prozent, am Schluss des Vortages waren es noch 6,785 Prozent. Dieselben Papiere von Italien rentierten am Vortag bei 5,989 Prozent, heute bis zu 6,105 Prozent. Den Händlern nach waren die Anleger wohl enttäuscht darüber, dass die EZB nur die Zinsen gesenkt hatten, aber nicht weitere Geldspritzen angekündigt hatte.

Wieder einmal nahmen die Investoren Kurs auf die Bundesanleihen, die noch immer als sicherer Hafen gelten. Hier fiel die Rendite von 1,388 Prozent am Vortag auf 1,361 Prozent am heutigen Freitag.

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